Operations & Personal

Umstieg auf Verleihsoftware: Von Papier und Excel in 14 Tagen live

Ein Fahrplan in fünf Etappen: Bestand aufräumen, System einrichten, Vertrag und Widget, Team schulen, umschalten. Mit Rechenbeispiel und typischen Fehlern.

David Gstrein ·

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Umstieg von Papier und Excel auf Verleihsoftware dauert bei einem Betrieb mit 20 bis 60 Rädern zwei Wochen, nicht drei Monate. Die meiste Zeit geht in das Aufräumen der eigenen Daten, nicht in die Software.
  • Die Reihenfolge entscheidet: erst Bestand und Preise, dann Einstellungen, dann Vertrag und Widget, dann Team, dann umschalten.
  • Planen Sie rund 20 Stunden eigene Arbeit ein, verteilt auf 14 Tage. Danach spart ein Betrieb mit 1.200 Buchungen pro Saison etwa 250 Stunden Verwaltung.
  • Der beste Zeitpunkt ist die Nebensaison. Wer im September oder Oktober umstellt, hat bis zum Saisonstart alles im Griff.
  • Verleihtool erhebt keine Einrichtungsgebühr und keine Provision. Die Einrichtung geht in wenigen Stunden, auf Wunsch mit Unterstützung.

Warum 14 Tage und nicht drei Monate

Der häufigste Grund, warum Verleiher bei Papier bleiben, ist nicht der Preis der Software. Es ist die Vorstellung, dass der Umstieg ein Projekt wird: Datenmigration, Schulungen, Ausfall im Tagesgeschäft.

Diese Vorstellung stammt aus der Welt der Warenwirtschaftssysteme. Ein Fahrradverleih hat drei Datenbestände: Räder, Preise, Kunden. Die ersten beiden passen bei 40 Rädern auf eine Excel-Seite. Kunden müssen Sie nicht migrieren, die entstehen mit der ersten Buchung neu.

Was tatsächlich Zeit kostet, ist die Entscheidung, wie Ihr Betrieb künftig arbeiten soll: Welche Kategorien, welche Preisstaffeln, welche Kaution, welche Öffnungszeiten für Abholung und Rückgabe. Diese Entscheidungen fallen in der ersten Woche. Die zweite Woche ist Einrichtung und Probelauf.

Tag 1 bis 3: Bestand und Preise aufräumen

Bevor Sie irgendetwas in die Software eintragen, bringen Sie Ihre Daten in eine saubere Tabelle. Das ist der Schritt, den die meisten überspringen und später bereuen.

Bestandsliste: Eine Zeile pro Rad mit Modell, Kategorie, Rahmengröße, Rahmennummer, Baujahr und Zustand. Räder, die Sie nicht mehr vermieten wollen, kommen gar nicht erst in die Liste.

Kategorien: Fassen Sie Modelle zusammen, die der Kunde als gleichwertig sieht. Ein Verleih mit 40 Rädern kommt meist mit fünf bis acht Kategorien aus: E-Bike City, E-Mountainbike, Trekking, Rennrad, Kinderrad, Lastenrad. Der Kunde bucht die Kategorie, Sie weisen bei der Ausgabe das Exemplar zu. Diese Trennung ist die wichtigste Entscheidung des gesamten Umstiegs.

Preise: Tagespreis und Wochenpreis pro Kategorie. Dazu Saisonfaktoren, falls Sie welche haben, etwa Vorsaison 0,8, Hauptsaison 1,2, Nachsaison 0,9 auf den Tagespreis. Und die Zubehörliste mit Preis pro Rad und Tag: Helm, Kindersitz, Schloss, Anhänger.

Kaution: Eine Höhe pro Kategorie, nicht pro Rad. Bei E-Bikes sind 200 bis 300 € üblich, bei Stadträdern 50 bis 100 €.

Tag 4 bis 6: System einrichten

Jetzt übertragen Sie die Tabelle in die Software. In Verleihtool sind das fünf Bereiche, die Sie in dieser Reihenfolge durchgehen:

BereichWas Sie eintragenZeitaufwand
BetriebsdatenName, Adresse, Steuernummer, Telefon, Logo. Erscheinen auf Mietvertrag und Bestätigungsmail15 Min.
ÖffnungszeitenAbhol- und Rückgabefenster pro Wochentag, Saisonzeitraum15 Min.
Fahrräder und PreiseKategorien mit Foto, Beschreibung, Tages- und Wochenpreis. Darunter die Exemplare mit Größe und Rahmennummer2 bis 3 Std.
Zubehör und SaisonpreiseExtras mit Tagespreis, Saisonfaktoren mit Datumsbereich30 Min.
Zahlungen und KautionZahlungsarten im Online-Checkout, Kautionshöhe, Vorautorisierung ein oder aus30 Min.

Die Fahrräder sind der größte Posten, weil jedes Exemplar einzeln angelegt wird. Bei 40 Rädern sind das 40 Einträge mit Nummer, Größe und Rahmennummer. Nehmen Sie sich dafür einen ruhigen Vormittag, dann ist es erledigt. Wer eine saubere Bestandsliste vorbereitet hat, tippt nur noch ab.

Was Sie in dieser Phase noch nicht tun: die Online-Buchung aktivieren. Der Schalter bleibt aus, bis Vertrag und Widget stehen.

Tag 7 bis 9: Vertrag und Widget

Mietvertrag: Die Vorlage wird aus den Buchungsdaten generiert: Mieter mit Ausweisnummer, Rad mit Rahmennummer, Zubehör, Zeitraum, Kaution. Prüfen Sie die Vereinbarungen im Vertragstext gegen Ihren bisherigen Papiervertrag und ergänzen Sie, was fehlt. Welche Klauseln hineingehören, steht im Beitrag Mietvertrag rechtssicher gestalten.

Widget: Das Buchungsformular kommt als eine Zeile Code, die Sie oder Ihr Webdesigner auf der Seite „Fahrradverleih" oder „Buchen" einfügen. Auf welcher Seite und an welcher Stelle das Widget die meisten Buchungen bringt, zeigt der Artikel zum Buchungswidget. Wer keine Website hat, verlinkt den Direkt-Link zum Buchungssystem in Google Maps und auf Social Media.

Testbuchung: Buchen Sie selbst ein Rad über das Widget, mit echter Karte und kleiner Kaution. Prüfen Sie Bestätigungsmail, Kalendereintrag und Vertrag. Stornieren Sie danach und prüfen Sie, ob die Kaution freigegeben wird. Dieser eine Testlauf findet 90 Prozent aller Einrichtungsfehler.

Tag 10 bis 12: Team schulen und Parallelbetrieb

Die Schulung für Mitarbeiter dauert eine Stunde, wenn Sie sie auf vier Abläufe beschränken:

  1. Walk-in-Kunde: Reservierung anlegen, Rad zuweisen, Vertrag am Tablet unterschreiben lassen.
  2. Online-Kunde kommt zur Abholung: Reservierung öffnen, Exemplar zuweisen, Vertrag unterschreiben, Kaution prüfen.
  3. Rückgabe: Rad prüfen, Reservierung abschließen, Kaution freigeben.
  4. Schaden oder Defekt: Werkstatt-Auftrag anlegen. Das Rad ist damit automatisch gesperrt, bis der Auftrag erledigt ist.

Alles andere lernt das Team im Betrieb. Wer mehr als vier Abläufe auf einmal schult, erreicht nur, dass am Ende keiner davon sitzt.

Parallel übertragen Sie die bereits vorliegenden Buchungen aus dem Papierkalender als Reservierungen ins System. Bei 30 bis 50 offenen Buchungen ist das eine Stunde Arbeit. Ab jetzt wird jede neue Buchung nur noch in der Software erfasst, auch wenn sie telefonisch kommt.

Tag 13 bis 14: Umschalten

Aktivieren Sie die Online-Buchung. Ersetzen Sie auf der Website und in der Google-Unternehmensseite den Hinweis „Reservierung per Telefon" durch den Buchungslink. Stellen Sie in der E-Mail-Signatur den Link um.

Dann räumen Sie den Papierkalender vom Tresen. Nicht in die Schublade, sondern weg. Solange der Kalender greifbar ist, trägt jemand aus Gewohnheit dort ein, und Sie haben zwei Wahrheiten.

Rechenbeispiel: Was der Umstieg kostet und bringt

Ein Verleih mit 35 Rädern und 1.200 Buchungen pro Saison. Bisher kommen alle Anfragen per Telefon oder E-Mail, Verträge werden handschriftlich ausgefüllt und abgelegt.

PositionPapier und ExcelVerleihsoftware
Anfrage klären (Telefon, E-Mail hin und her)10 Min.0 Min. bei Online-Buchung
Vertrag ausfüllen, kopieren, ablegen8 Min.3 Min. am Tablet
Aufwand pro Buchung18 Min.3 Min. online, 8 Min. Walk-in
Bei 600 Online- und 600 Walk-in-Buchungen360 Std.110 Std.
Eingesparte Zeit pro Saison250 Std.
Bewertet mit 18 € pro Stunde4.500 €
Einmaliger Umstiegsaufwand (20 Std.)360 €

Die Software-Kosten liegen je nach Paket deutlich darunter, die aktuellen Preise stehen auf der Preisseite. Nicht eingerechnet sind die Buchungen, die abends und am Wochenende eingehen, wenn bisher niemand ans Telefon geht. Bei Betrieben mit Widget kommen 30 bis 40 Prozent der Online-Buchungen außerhalb der Öffnungszeiten.

Typische Fehler beim Umstieg

  • Jedes Rad als eigene Kategorie anlegen. Der Kunde sieht dann 40 Optionen statt sechs und bucht nichts.
  • Alte Preislogik eins zu eins übernehmen. Der Umstieg ist der Moment, Sonderpreise zu streichen, die nur der Chef im Kopf hat.
  • Online-Buchung ohne Testbuchung freischalten. Der erste echte Kunde findet den Fehler, nicht Sie.
  • Parallelbetrieb länger als eine Woche. Zwei Systeme heißt Doppelbuchungen.
  • Team beim Umstieg außen vor lassen. Wer die Reihenfolge der vier Abläufe nicht kennt, greift zum Papier.

Warum Verleihtool für den Umstieg

Verleihtool ist für genau diesen Betriebstyp gebaut: 20 bis 100 Räder, kleines Team, keine IT-Abteilung.

  • Online-Buchung: Kategorien mit Exemplaren, Öffnungszeiten als Buchungsfenster, Vorlauf und maximale Mietdauer als Regel. Der Kunde bucht die Kategorie, Sie weisen das Rad zu.
  • Preisgestaltung: Tages- und Wochenpreis, Saisonfaktoren, Zubehör pro Tag. Genau die Struktur aus Ihrer Excel-Tabelle.
  • Digitale Unterschrift: Vertrag aus den Buchungsdaten, Unterschrift am Tablet oder am Smartphone des Kunden, Kopie per E-Mail.
  • Widget und API: Eine Zeile Code auf der Website, alternativ der Direkt-Link.
  • Werkstatt: Defekte Räder sind gesperrt, bis der Auftrag erledigt ist. Wartungsintervalle laufen nach Miettagen mit.
  • Keine Einrichtungsgebühr, keine Provision, Einrichtung auf Wunsch gemeinsam in wenigen Stunden. Wer sich vorher ein Bild machen will, klickt durch die Demo mit allen Backend-Bereichen.

Wer noch abwägt, ob sich der Schritt lohnt, findet die Gegenüberstellung im Artikel Excel vs. Verleihsoftware.

Handlungsempfehlung

  1. Legen Sie diese Woche die Bestandsliste an: ein Rad pro Zeile, mit Kategorie, Größe und Rahmennummer.
  2. Entscheiden Sie Kategorien, Preise, Saisonfaktoren und Kautionshöhe, bevor Sie die Software öffnen.
  3. Blocken Sie einen Vormittag für die Einrichtung und einen Nachmittag für Vertrag, Widget und Testbuchung.
  4. Schulen Sie das Team auf genau vier Abläufe und übertragen Sie die offenen Buchungen.
  5. Schalten Sie nach 14 Tagen um und entfernen Sie den Papierkalender.

Wer in der Nebensaison startet, hat zum Saisonbeginn ein System, das läuft, und ein Team, das es nutzt.

Autor

David Gstrein, Gründer von Verleihtool

David Gstrein

Gründer von Verleihtool. Die Software entstand 2014 für einen einzelnen Verleihbetrieb und ist heute bei Verleihern in mehreren Ländern Europas im Einsatz.

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